Geschichte

Das alte Dorf

Bis gegen Ende des nächsten Jahrtausends waren die Steigerwaldhöhen bis in die Täler herab mit dichtem Wald bestanden und kaum besiedelt. Im Unterlauf der Ebrachtäler sind Anzeichen alter Niederlassungen aus dieser frühen Zeit festzustellen, nicht aber in Vorra.

Um 730 begründeten fränkische Siedler die Mainbergmark. In deren Umkreis entstanden fränkische Vollhöfe, in der Regel zwei nebeneinander, in der Folge als Curien, Herrenhöfe bezeichnet. Sie dürften im Anschluss und weiteren Ausbau der Erstsiedlung vermutlich um 800 angelegt worden sein. Auch in Vorra wurden zwei solche "Herrenhöfe" begründet. Es waren dies die später so genannten Ottenhof und Hasenhof auf dem Gelände zwischen Kreisstraße und der späteren Schäferei (Messingschlager).

Das ganze Gebiet zwischen Main-Regnitz und Rauher Ebrach war in den Besitz des Kaiser Heinrich gelangt und zur Gründung des Bistums Bamberg gestiftet worden. Weite Waldgebiete vom Distelberg bis gegen Burgebrach erhielt das Kloster Michelsberg bei seiner Gründung 1015. Dies ließ im Raum Vorra roden und siedeln und so entstanden Abtsdorf und weitere Sölden in Vorra. Die Bauerngütlein wechselten immer wieder die Lehensherren. Die Höfe wurden aufgeteilt. Der Bischof aber blieb Grundherr in Vorra, hatte die Gerichts- und Dorfhoheit bis zum Ende des Fürstenbistums 1802, nur zeitweise war sie in anderen Händen. Der Name des Dorfes taucht in verschiedener Schreibweise auf, zum ersten Male 1246 als Forhene, später als Forich, Vorrha, Forcha. Vorhene, das 1109 unter den Schenkungen des Bischofs Otto genannt wird, ist Vorra bei Hersbruck. Er konnte das Gebiet um Vorra nicht an das Stift St. Jakob in Bamberg geben, weil es dem Kloster Michelsberg gehörte.

1246 war der Bischof Heinrich von Bilversheim (1242 - 57) in die Hände seiner Gegner gefallen und musste schweres Lösegeld aufbringen. Von Abt und Konvent des Klosters Michelsberg nimmt er 200 Mark Silber als Darlehen. Dafür gibt er u.a. als Pfand die 2 im Dorf Forhene gelegenen Höfe. Über diese Höfe soll der Abt einen Verwalter aufstellen, der ihm jährlich von den Gütern 40 Pfd. Bamberger Dinare zahlen muss. Der Überschuss gehört dem Bischof. (L. II/687).

Der Bischof konnte die Höfe wieder einlösen; denn im Rechtsbuch des Bischofs Friedrich von Hohenlohe aus dem Jahre 1348 steht: "Census episcopi in Villa Forich (Die Steuereinnahmen des Bischofs im Dorf Vorra):

Heintz Hofmann reicht dem Bischof von einem Hof (einer Curia) 5 Scheffel Hafer, 1/2 Pfd. Heller, 1 Wagen Heu, 40 Eier zu Ostern, 4 Käse zu Pfingsten und Weihnachten, je 1 Huhn im Herbst und an Fastnacht. Enderselbe von 1 Seldenhaus Walpurgis und Martini 15 solidi Heller, 40 Eier an Ostern, 4 Käse zu Pfingsten und Weihnachten, je 1 Huhn im Herbst und an Fastnacht.

Chuntz Chribel gibt von seinem Hof 5 Scheffel Korn, 4 Scheffel Haber, 1 Wagen Heu, 1/2 Pfd. Heller, je 6 Käse an Weihnachten und Pfingsten, 40 Eier zu Ostern, im Herbst und an Fastnacht je 1 Huhn."

Für den Bischof sind noch weitere Abgaben angefallen, wahrscheinlich von Grundstücken, die an andere Bauern verlehnt waren; denn die Gesamteinnahmen betragen: 2 1/2 Pfd. Heller, 10 Scheffel Korn, 9 Scheffel Hafer, 6 Hühner, 160 Eier.

Vom ersten Hof war bereits eine Sölde abgezweigt worden. Die Aufteilung der beiden alten Herrenhöfe hat sich später fortgesetzt. Einer dieser Höfe gibt Bischof Albrecht Graf von Wertheim (1398 - 1421) zu Lehen: "Wir Bischof Albrecht, Graf von Wertheim bekennen ... Hans Salman, Heinrich Salman und alle ihre Erben werden belehnt mit dem Hof in Vorra, den sie ererbt haben von Volker."

Die übrigen Sölden waren auf dem Grund und Boden des Klosters Michelsberg entstanden. 1147 hatte das Kloster 10 Sölden in Forcha. (Urbar Michelsberg). Hier wird Vorra zum ersten Mal genannt. Die beiden Höfe sind später an das Domkapitel gelangt. Die Bischöfe waren jahrhundertelang immer in Bedrängnis, mussten sich gegen die weltlichen Großen verteidigen, Güter verkaufen, auch an das mächtige und wohlhabende Domkapitel. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft lag in jener Zeit beim Abt vom Michelsberg, weil das Kloster den größeren Besitz in Vorra hatte.

1503 bezieht Domprobst Michael von Lichtenstein Gültgetreide aus Vorra: "Gült von 2 Höfen und einer Sölden." Auf den Hofstätten sitzen Hans Lochner, Georg Geissler und Michael Kraus, vorher waren es Jerg Dornhauer und Wolf Buchner (Staatsarchiv, Stb. 22) 1572 ist im Lehensbuch vermerkt: Gült zu Vorra von 2 Höfen und 1 Sölden von Buchner, Geissler und Hans Wagner." (St.Arch.) 1563 war vermerkt: "Einnehmen an gultgetraidt gemeinem thumkapitel zuständig anno 1563 an erwirdig u. Edel Herr Michael von Lichtenstein thumpropst. Gult zu Vorhen von den zween Hoeffen u. einer selden 1 Sr. Korn, 1 Sr. Gersten, 1 Sr. Weiz, 1 Sr. Erbsen, 2 Herbsthühner, 3 Fastnachtshennen, 1 geschock Eyer zu Ostern."
Die beiden Höfe mit der einen Sölde bringen wesentlich weniger Gült als 1348: anscheinend sind sie verkleinert, sind Sölden abgetrennt und an andere Lehensherren gelangt. Auf dem Ottenhof war eine Schäferei entstanden mit Pferch- und Weiderecht im ganzen Flur.

 

 

Die letzten dreihundert Jahre


Der Michelsberger Besitz scheint dem Kloster verloren gegangen zu sein. Kloster Michelsberg war öfters in schweren Bedrängnissen und musste Besitz abgeben. Es wird in Vorra nicht mehr erwähnt. In einem Teilurbar (Besitzverzeichnis des Klosters) hatte es noch geheißen: Herkunft der Güter unbekannt, teilweise Anfang des 12. Jahrhunderts. (Braun). Sicher waren Sie durch Rodung entstanden. Nun waren sie in anderen Händen. Als Lehensherren tauchen in Vorra auf: Stibar, Berg auf Tütschengereuth, Lisberg.

Um 1600 kaufte Marschalk Veit Ulrich von Ebnet in Frensdorf auf: 
1595 von Schrimpf von Berg freieigene und Münchberger Lehen. 
1599 2 Höfe und 5 Sölden mit Äckern und Wiesen am Schelmberg und Weiher, das Schafhaus und den Schaftrieb. 
1600 1 Hof und eine Sölde. (Salbuch 1709)
Damit hatte der Marschalk von Ebnet die meisten Sölden in Vorra im Besitz. Er übernahm auch die niedere Gerichtsbarkeit und die Dorfherrschaft. Dir Grundherrschaft und die Hohe Gerichtsbarkeit lag beim Fürstbistum, wahrgenommen durch das Amt Burgebrach, für einige Sölden auch beim Amt Hallstadt.

Als der Marschalk 1626 kinderlos gestorben war, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen seinen Erben und dem Fürstbistum. Der Gesamtbesitz fiel durch Vergleich an das Fürstbistum. Die Erben des Marschalk, 3 Neffen wurden damit belehnt.
1 Hof zu Vorra mit2/3 aus dem Zinsgefälle und ein Hof zu Stappenbach wurden aus der Erbmasse herausgenommen. Den Hof in Vorra erhielt eine Schwester der Gebrüder Ebnet, die auf dem Hof Wohnung nahm. Es ist der heutige Hof Volk. (Salbuch 1709).

1618 war der 30jährige Krieg ausgebrochen. Er hat Vorra furchtbar mitgenommen, wie noch aus dem Steuerprotokoll des Amtes Burgebrach zu entnehmen ist, 1653, fünf Jahre nach Ende des Krieges: "Der Gemein hat vier öthe Hofstatt und ein Hirtenhäuslein. Zehent 120 Sra. jetzt nur 40 1/2; 1/2 das Kloster Ebrach, 1/2 die Erben des Marschalk von Ebnet. Heuzehnt Kloster Ebrach allein."
(Der Zehent ging eigentlich an die Pfarrei Burgebrach. Diese Pfarrei war vom Bischof von Würzburg dem Kloster Ebrach übergeben worden). 
"Hinter Dacsen Rödern von Obermelsendorf: Georg Schrembs 72 fl. (Steuerwert), Hans Dotterweich Haus ohne Stadel 25 fl., Hans Bayerin Witwe 230 fl. 
Hinter Veit Ulrichs Erben (Marschalk von Frensdorf), Cuntz Schirmer öd 35 fl., Ott Hofmichel 1 Hof; Haus u. Stadel eingefallen; heimgefallen. Hans Dotterweich, alles eingefallen; heimgefallen 350 fl.
Oblei Amt Dom Pankraz Bittel 1/2 Hof, Haus und Scheune eingefallen; heimgefallen.

Cammeramt Hallstadt:
Martin Bayer, heimgefallen, Lorenz Bayer, eingegangen, Heinrich Hofmann, Veit Frühwein, Jakob Bessler mit Barthel Moll, Georg Lechner öd, Georg Rösner.

Domkapitel:
Georg Lechner, 1/2 Hof, jetzt Grasner, Georg Dotterweich 1/2 Hof, Contz Lang. Steuer nach Hallstadt.

Veit Ulrich Berg auf Tütschengereuth:
Lorenz Kayser, Hans Riembstaller, Hans Barthel, öd, Hans Haas, eingegangen, Georg Kraus, 1 Sölde, Hans Steppert, Anna Regenfus, Haus eingefallen, Hans Lengenfelder 1 Hof.

Hofstätten der Gemein:
Bastian Fleischmann, Georg Mergel, Lorenz Leybold, eingefallen, Hans Fleischmann, steht nichts drauf, 1 Hirtenhaus, öde Weinberge."

Hohe Steuern haben nur 2 Höfe, die alten Herrenhöfe bestehen also anscheinend noch.

Im einzelnen sind die Besitz- und Lehensverhältnisse in Vorra nach dem 30jährigen Krieg nicht zu klären. Nach dem obigen Protokoll 1653:

Dacsen Rödern       3 Sölden
Marschalk Veit Ulrichs Erben, ehemals Würzburger Lehen   3 Sölden
Obleiamt (Hofkammer Bamberg), domkapitelisch 2 Sölden
Kammeramt Bamberg (bischöflich) 7 Sölden
Domkapitel 3 Sölden
Marschalk Veit Ulrichs Erben, ehemals Berg von Tütschengereuth 9 Sölden
Gemeinde Vorra 4 Sölden und Hirtenhaus

Die Hofstätten sind großenteils noch zerstört, liegen öd, die Felder selbstverständlich verwildert.
Der Gesamtsteuerwert ist mit 554 fl. und 100 fl. Rauchgeld veranschlagt, das natürlich nicht eingeht.

Auch nach dem Steuerprotokoll von 1676, Amt Burgebrach, sind die Kriegsschäden noch lange nicht überwunden. Nur 10 Sölden sind bewohnt, von den 4 Hofstätten der Gemeinde sind es 2. Hans Krebs hat auf einer Brandstatt ein Häuslein gebaut. Die Gemeinde hat 1/2 Tagwerk Wiesen und ein Fischwässerlein, Steuerwert 25 fl.
Nach der Steuerbeschreibung gegen 1700 (St.Arch.) hat es in Fohra wieder eine Änderung gegeben: 2 Höfe hat Dacsen Rödern, einige wieder Schrimpf von Berg, 3 das Kammeramt des Domes, 7 sind zentbar dem Kammeramt Hallstadt. Diese sind "pfandschillingsweise" an das Domkapitel gekommen und nach Hallstadt auch steuerbar.
Welch verwickelte Verhältnisse!

Nach dem neuen Steuerprotokoll aus dem Jahre 1731 hat das Hochstift die ganze, auch niedere Gerichtsbarkeit, weil die Güter der Marschalk von Ebnet an das Fürstbistum heimgefallen waren. Der Zehent war jetzt zur Hälfte beim Fürstbistum Würzburg, zu anderen Hälfte beim Kloster Ebrach.

Dem Hochstift gehörten jetzt seit dem Aussterben der Ebnet neben seinen 8 alten Kammerlehen die 13 Lehen aus dem Nachlass der Ebnet; 5 Sölden waren Lehen des Domkapitels, 5 Sölden im Besitz der Gemeinde. Die Gemeinde hatte ein schlechtes Hirtenhäuslein.

In Vorra galt eine alte Dorfordnung aus dem Jahre 1523. Damals waren 2 Dorfmeister aufgestellt als Obleute für die Lehensherren. Sie wurden vom damaligen größten Lehensherren bestimmt. Die Hohe und niedere Gerichtsbarkeit lag beim Fürstbistum, wurde ausgeübt durch das Amt Burgebrach. Später, als Veit Ulrich, der Schlossherr in Frensdorf die meisten Hofstätten an sich gebracht hatte, wurde er auch Dorf- und Gemeindeherr.

1728 starb die Familie im Mannesstamm aus und nach jahrzehntelangem Rechtsstreit fiel der Besitz an das Fürstbistum heim, das damit die volle Dorf- und Gerichtshoheit zurückerworben hat. Verwaltet wurde Vorra jetzt von den Bamberger Ämtern Burgebrach und Schlüsselau.

1756 wurde durch das Amt Burgebrach für Vorra eine Gemeindeordnung erlassen.
Die Abgaben an die verschiedenen Lehensherren mussten auch nach dem Übergang des Fürstbistums an Bayern nach wie vor bezahlt werden. Erst um 1848 wurden sie abgelöst. Allerdings waren die Bauern verständlicherweise sehr säumig geworden. 1837 beschwert sich das Schönbornische Amt Pommersfelden, dass seit 1830 kein Zehnt mehr bezahlt worden sein. Das Amt hat dann den Zehnt nicht selbst eingehoben, sondern an einen Bauern verpachtet. Er leistete einen Geldbetrag und durfte dafür die Zehnten einheben.

Am Weg nach Abtsdorf steht ein einfaches Steinkreuz, ähnlich dem am Steinernen Kreuz bei Frensdorf, dem Pestkreuz. Es dürfte ebenfalls ein Pestkreuz sein und aus der Zeit um 1600 stammen. Bei Grundaushub in der Nähe des Kreuzes sind große Mengen von Knochen aufgedeckt und im neuen Friedhof begraben worden.

Pfarrer Dumpert berichtet, dass in der Nähe des Pestkreuzes bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts Kalk gebrannt worden sei.

 

 

Aus den Gemeinderechnungen Vorra (St.Archiv, Gemeindeakten)


Die älteste Gemeinderechnung stammt aus dem Jahre 1742. Bürgermeister sind Georg Eberlein und Jakob Heberlein. Strafgelder werden eingezogen, weil verbotenerweise gegrast und gehütet wurde; 15 kr., weil an einem Feiertag Birnen aufgelesen worden sind; Ausgaben für Pfarrer und Lehrer beim Flurumgang, für Pulver zum Schießen beim Umgang.
Gesamteinnahmen 42 fl. 48 1/2 kr., Ausgaben 32fl. 50 1/2 kr.
Davon entfielen für den Amtsvogt für dessen Mahlzeit beim Rechnungsabhören allein 1 fl. 12kr.
1749 zahlt Christoph Neundorfer (Frensdorf) Bruckgeld.
1753 fünf Bauern zahlen für ihre Hofstätten, die sie von der Gemeinde zu Lehen haben, Eberlein zahlt für einen Felsenkeller, geringe Einnahmen aus dem Steinbruch. Ausgaben für den Kirchensteg und für das Gemeindehaus.
1784 Lorenz Neundorfer zahlt Handlohn bei Übernahme des Schenk- und Brauhauses; das Fäßlein für Schmalzlieferung wird repariert. 30 kr. für ein Amt in Hollfeld. (Die Gemeinde wallfahrtete zu hl. Erlöser nach Hollfeld)
1758 erpresste das preußische Plünderungskommando auch Vorra. 77 fl. Brandschatzung mussten bezahlt, Vieh und Wägen zum Abtransport des Plünderungsgutes nach Bayreuth gestellt werden.

2 fl. für die Bauern, welche für die Preußen nach Bayreuth gefahren
3 fl. 45kr. Schanzgeld (Ablösung vom Kriegsdienst)
1 fl. 36kr. denen aus der Gemeinde, welche nach Abmarschierung der Preußen zum Wachdienst nach Bamberg mussten
200 fl. Bei der Hofkammer aufgenommen
22 fl. für einen Ochsen an Hans Dotterweich
22 fl. an Köhler für einen Ochsen
18 fl.7 kr. für einen Ochsen und ein Rad an Paulus
16 fl. dem Erhard Reussen für Bier und Brot für die Preußen

Ausgaben 304 fl. 59 kr.            Einnahmen 24 fl. 43 kr.

Bei den Gemeindeakten liegt ein "Sauve-Gardebrief", ein Schutzbrief aus dem Jahre 1758, ausgestellt von dem preußischen General der Kavallerie, dem kommandierendem General Wilhelm Driessen: Kein Soldat sollte sich bei schwerster Strafe unterstehen, etwas zu beschlagnahmen. Für diesen Brief hat die Gemeinde schwer bezahlt. Das er nicht genützt hat, beweisen die Rechnungen aus dem gleichen Jahr für Kriegsschäden.

Aus der Gemeinderechnung 1758: "200 fl. gegen die Verpfändung sämtlicher Gemeindegüter aufgenommen, welches den Inwohnern in Abschlag ihres von den Preußen mit hingenommenen Viehs und Wägen gesteuert wird."

Wieder kamen schwerste Zeiten, als 1796 die französischen Revolutionskriege begannen und bis 1815 in den napoleonischen Kriegen Einquartierungen und Durchmärsche kein Ende nahmen.

Ein Beispiel aus der Rechnung für 1796:
an die französischen Lager musste geliefert werden (17000 Soldaten lagen in der Gegend, 14 Wochen lang)
 

Lager Unterharnsbach:  78 Eimer Bier dem Heinrich Burkard 312 fl., für Bier dem Lorenz Neundorfer 200 fl.
An die Wagenburg Vorra:
40 fl. Bier dem Andreas Knorz in Frensdorf, 
18 fl. für Branntwein dem Knorz und Basel in Frensdorf, 314 fl. für 95 Sra. Haber
An das Lager Reundorf:

 
247 fl. für Heu, 16 fl. für Stroh, 15 fl. für Butter, 191 fl. für verlorene Pferde, 
14 fl. für Wagenräder, 44 fl. von den feindlichen Truppen erpresste Gelder, 
9 fl. für Einquartierung an die Wirtshäuser

Nach der Kriegsschadenrechnung musste die Gemeinde 1026 fl. Darlehen aufnehmen, 443 fl. waren erpresst worden. Die Gesamtsumme der Schäden wurde auf 2610 fl. beziffert.

Nach Roppelt wurden in Vorra 1799 gezählt: 32 Höfe und Sölden, 160 Einwohner, 4 Pferde, 40 Ochsen, 50 Kühe.
Zwei Häuser hatten Brau- und Schenkgerechtigkeit (heute Brehm und Söllner)

1882 wurde eine eiserne Brücke über die Ebrach gebaut.
1876 war mit dem Bau der heutigen Bezirksstraße der Damm mit den Durchlässen über das Ebrachtal aufgeschüttet worden.

In Vorra bestehen 23 Anteilrechte an einem gemeinsamen Grundbesitz von ca. 10 ha, die im ganzen Flur verteilt sind. Es sind heute 20 Nutzungsberechtigte, weil 3 Berechtigte je 2 Rechte haben. Die Rechte liegen auf den Hofstätten. Es ist anzunehmen, dass vielleicht schon vor einigen hundert Jahren die damalige Ortsgemeinde in den Besitz eines Hofes gekommen ist. Nach dem 30jährigen Krieg hatte die Gemeinde ja das Lehensrecht über 4 Sölden. Dieser Hof wäre dann nicht mehr besiedelt worden, vielleicht war es eine Brandstatt aus dem 30jährigen Krieg. Die Grundstücke könnten von den damals 23 Hofstätten gemeinsam genutzt worden sein. Sie werden immer nach sechs Jahren neu zur Nutzung versteigert.


 

 

 

Vereine

 

Sie spielen im Dorfleben erfreulicherweise immer noch eine bedeutende Rolle.

 

Die Feuerwehr
wurde 1889 gegründet, erfasst die junge Mannschaft von Vorra und Abtsdorf, um in der Not bereit zu sein.

 

Der Kriegerverein
entstand 1925, schon 1926 konnte die Fahne geweiht werden. 1956 erfolgte zusammen mit den übrigen Gemeindeteilen die Neugründung als Krieger- und Militärverein Abtsdorf/Gemeinde Birkach". Er entfaltete eine rege Tätigkeit und so konnte 1959 das Kriegerdenkmal im Friedhof eingeweiht werden. Die Namen der Opfer der furchtbaren Kriege sollen nicht vergessen werden. Sie sollen mahnen, alles für die Sicherung des Friedens zu tun.
 

Sportverein
Es ist selbstverständlich, dass die Sportbegeisterung nach dem Kriege, es war 1948, auch einen Sportverein ins Leben rief.
Mit gutem Erfolg, natürlich auch im Auf und Ab rangen die Mannschaften im sportlichen Begegnen. Mit der aufgeschlossenen Förderung der Gemeinde konnte 1965 ein Sportgelände, konnten 1970 Vereinsräume geschaffen werden. 

 

Obst- und Gartenbauverein
Die erfolgreiche Arbeit des Vereins zeigt sich in den gepflegten Gärten und im Blumenschmuck.

 

Kirchliche Verhältnisse
Vorra war im Volkfeldgau gelegen und gehörte damit seit der Gründung des Bistums Würzburg durch Bonifatius im Jahre 741 zu diesem Bistum. Seit dem Bestehen der Pfarrei Burgebrach war es dorthin eingepfarrt. Damit fiel auch der Zehent an das Bistum Würzburg und die Pfarrei Burgebrach, je zur Hälfte. Die Pfarrei wurde 1920 an das Kloster Ebrach gegeben und dadurch erhielt dieses auch den halben Zehent. Noch im 18. Jahrhundert hatte das Kloster den ganzen Heuzehent, den Getreidezehent zur Hälfte. Die andere Hälfte war an Wolf Schrimpf von Berg auf Tütschengereuth gekommen. Nach dem Aussterben der Berg fiel er wieder an Würzburg zurück. (Schlüsselfelder Ämterbuch). Der ganze Zehent trug 100 Sra. Korn.

Schon um 1600 wurden Vorra, Abtsdorf, Birkach und Hundshof von Frensdorf aus seelsorgerlich betreut. Durch den Fürstbischof Gottfried von Aschhausen erfolgte rechtlich die Trennung von Burgebrach und damit die Eingliederung in das Bistum Bamberg im Jahre 1621.

In den alten Würzburger Pfarreien mussten der Synodhafer gegeben werden. Er war für das Pferd des Geistlichen bestimmt, das dieser bei der großen Ausdehnung der Pfarrei benötigte. Bei der Umgliederung in die Pfarrei Frensdorf weigerten sich die Dörfer, diese Abgabe nach Frensdorf zu leisten. Durch Vergleich wurde sie auf 13 Sra. ermäßigt. Über den Zehent ist 1621 in den Akten vermerkt: "Den halben Zehent zu Vorra, den ganzen zu Abtsdorf und das Zehentlein zu Birkach behält Ebrach. Opfer und Synodhafer nach Frensdorf."
Die andere Hälfte, die Würzburger des Zehents hatte Veit Ulrich von Ebnet in Frensdorf erworben

Ein Kirchenbauverein war 1855 gegründet worden. 1858 wurde die erste Kirche eingeweiht, 1922 wurde sie erweitert, 1924 die Kuratie errichtet, 1925 Hundshof zugeteilt. Der Friedhof wurde 1920 angelegt, 1926 das Friedhofskreuz, 1954 das Leichenhaus errichtet.

 

Kirchliche Verhältnisse
Als 1809 die Gemeinde fürchten musste, dass ihr durch den unaufschiebbaren Schulausbau in Frensdorf eine Belastung drohte, errichtete sie selbst eine Schule. Als Schulraum wurde das Wirtshauszimmer im oberen Wirtshaus benutzt (Söllner)

Das wurde von der Regierung aber dennoch nicht hingenommen und 1813 musste sich die Gemeinde im Landgericht Burgebrach in Gegenwart des Landesschulrates Graser bereit erklären, ein Schulhaus zu bauen.

1939 musste wegen der großen Kinderzahl eine zweite Schulstelle errichtet werden. Es stand aber nur ein Schulraum zur Verfügung, so dass Wechselunterricht (abwechselnd vor- und nachmittags) erteilt wurde. Erst 1948 konnte ein zweiter Schulraum angebaut werden. 1953 wurde das Haus aufgestockt. Damit konnten zwei Lehrerwohnungen geschaffen werden.

Von 1808 bis 1920 arbeiteten 16 Lehrer an der Schule.
1920 - 1934    Oberlehrer Dengler
1935 - 1946    Oberlehrer Ebitsch
1947 - 1963    Oberlehrer Gärtner
1963 - 1971    Hauptlehrer Eduard Vogt
Im Zuge der überörtlichen Organisation der Schulen wurde auch die Schule Vorra aufgelöst. Die Kinder besuchen jetzt die Verbandsschule Frensdorf.

 

 

 

 

 

Alle Angaben ohne Gewähr, entnommen aus dem "Heimatbuch der Gemeinde Frensdorf", 
geschrieben von Joseph Neundorfer im Jahre 1981, erschienen im Verlag K. Urlaub Bamberg.
Sie erhalten das Heimatbuch bei der Gemeinde Frensdorf gegen einen geringen Unkostenbeitrag


Herzlichen Dank an Herrn Bürgermeister Jakobus Kötzner für die freundliche Genehmigung
Auszüge aus diesem Buch hier zu veröffentlichen!


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